Berufsausbildung in Deutschland: Dein Leitfaden für Visum, Versicherung und Alltag

Von: Simon Heinrich – Stand: 04/2026 

Du hast einen Ausbildungsvertrag für Deutschland unterschrieben: Glückwunsch! Damit hast du einen wichtigen Schritt geschafft. Jetzt geht es darum, Visum, Versicherung und Alltag zu organisieren. Diese Seite zeigt dir, was speziell für Auszubildende wichtig ist und in welcher Reihenfolge du es angehen solltest.

Für den vollständigen chronologischen Ablauf aller Schritte siehe unsere Roadmap.

Roadmap.

Für wen ist diese Seite?

Diese Übersicht richtet sich an alle, die für eine Berufsausbildung nach Deutschland kommen:

  • Betriebliche Ausbildung (duales System: Betrieb und Berufsschule)
  • Duale Studiengänge (Hochschule und Betrieb)
  • Schulische Ausbildungen (z. B. Pflege, Erziehung, Physiotherapie)

Falls du für ein Studium nach Deutschland kommst, findest du die passenden Informationen unter Studierende. Falls du bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hast und als Fachkraft kommst, siehe Fachkräfte.

Deine Prioritäten als Studierender

Diese vier Themen solltest du in dieser Reihenfolge angehen:

1. Ausbildungsvertrag und Finanzierungsnachweis (für das Visum)
Dein unterschriebener Ausbildungsvertrag mit Gehaltsangabe dient als Finanzierungsnachweis.

2. Incoming-Versicherung abschließen (für das Visum)
Überbrückt die Zeit zwischen Einreise und Ausbildungsbeginn.

3. Gesetzliche Krankenversicherung (ab Ausbildungsbeginn)
Ab Tag Eins brauchst du eine gesetzliche Krankenversicherung vorher musst du eine Kasse wählen.

4. Girokonto eröffnen (nach Ankunft)
Ohne deutsches Konto kein Gehalt.

Ausbildungsvertrag und Finanzierungsnachweis

Für das Visum zum Zweck der Berufsausbildung (§ 16a AufenthG) brauchst du einen unterschriebenen Ausbildungsvertrag. Dieser dient gleichzeitig als Finanzierungsnachweis. Achte darauf, dass dein Gehalt diese Mindestsätze erfüllt:

Mindestsätze für das Visum (Stand 2026)

Ausbildungsart Mindestbetrag
Schulische Ausbildung 959 € netto pro Monat (entspricht ca. 1215 € brutto)
Betriebliche Ausbildung 855 € netto pro Monat (entspricht ca. 1085 € brutto)

Was, wenn mein Gehalt darunter liegt?

Falls deine Ausbildungsvergütung unter dem Mindestsatz liegt, brauchst du einen zusätzlichen Finanzierungsnachweis:

  • Verpflichtungserklärung einer Person in Deutschland
  • Nachweis über Ersparnisse
  • Unterstützungszusage der Eltern

Typische Ausbildungsvergütung

Je nach Branche und Region liegt die Vergütung meist zwischen 800 € und 1.200 € brutto im ersten Jahr mit Steigerungen in den Folgejahren.

Tipp zur Wohnungssuche: In teureren Städten wie München, Frankfurt oder Hamburg kann es schwierig sein, mit einer Ausbildungsvergütung eine Wohnung zu finden. Überlege, ob eine Ausbildung in einer günstigeren Region sinnvoll ist, dort findest du leichter eine Wohnung, und die etwas niedrigere Vergütung wird durch geringere Lebenshaltungskosten ausgeglichen.

Welche Dokumente brauchst du?

Für den Visumsantrag:

  • Unterschriebener Ausbildungsvertrag
  • Nachweis der Ausbildungsvergütung
  • Ggf. Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse
  • Nachweis über Deutschkenntnisse (meist B1)

Incoming-Versicherung abschließen

Für deinen Visumsantrag brauchst du einen Krankenversicherungsnachweis. Deine reguläre gesetzliche Krankenversicherung beginnt aber erst mit dem Start der Ausbildung. Die Lösung: eine Incoming-Versicherung für die Zeit dazwischen.

Was ist eine Incoming-Versicherung?

  • Eine Reisekrankenversicherung speziell für die Einreise nach Deutschland
  • Deckt medizinische Notfälle während der ersten Wochen ab
  • Wird von deutschen Botschaften als Nachweis für das Visum akzeptiert
  • Deutlich günstiger als eine vollwertige Krankenversicherung

Warum reicht meine Versicherung aus dem Heimatland nicht?

Deutsche Botschaften akzeptieren in der Regel nur Versicherungen, die:

  • Explizit für Deutschland gültig sind
  • Einen Mindestdeckungsbetrag haben
  • Rücktransport und Notfallbehandlung abdecken

Die meisten heimischen Versicherungen erfüllen diese Kriterien nicht oder können es nicht nachweisen.

Wie lange brauche ich sie?

Von deiner Einreise bis zum offiziellen Start deiner Ausbildung. Ab dem ersten Ausbildungstag bist du über deinen Arbeitgeber sozialversicherungspflichtig und damit automatisch krankenversichert. Bei welcher gesetzlichen Krankenverischerung du versichert sein willst, kannst du selbst entscheiden. 

Beispiel:

  • Einreise: 15. August
  • Ausbildungsbeginn: 1. September
  • Incoming-Versicherung: mindestens 15. August bis 31. August

Plane einen Puffer ein falls sich dein Ausbildungsbeginn verschiebt. Zu viel gezahltes Geld bekommst du am Ende wieder zurück, zum Beispiel, wenn du die Versicherung für 90 Tage abgeschlossen hast, aber nach 30 Tagen schon in die gesetzliche Krankenversicherung wechselst. 

Worauf achten?

  • Akzeptanz bei deutschen Botschaften (explizit prüfen)
  • Mindestdeckungssumme
  • Gültigkeit ab Einreisedatum
  • Flexible Laufzeit oder einfache Kündigung

Gesetzliche Krankenversicherung

Ab dem ersten Tag deiner Ausbildung bist du sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet: Du bist automatisch kranken-, renten-, pflege- und arbeitslosenversichert. Die Beiträge werden direkt von deinem Gehalt abgezogen, du musst dich aber vorher für eine Krankenkasse entscheiden.

Wie funktioniert das?

  1. Du wählst eine gesetzliche Krankenkasse
  2. Du meldest dich dort an und gibst deinen Ausbildungsbetrieb an
  3. Die Krankenkasse stellt dir eine Mitgliedsbescheinigung aus
  4. Diese übermittelst du deinem Arbeitgeber
  5. Der Arbeitgeber meldet dich an und führt die Beiträge ab

Was kostet das?

Als Auszubildender zahlst du den normalen Beitragssatz aber dein Arbeitgeber übernimmt die Hälfte. Bei einer Ausbildungsvergütung von 1.000 Euro brutto werden ca. 80 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen.

Welche Krankenkasse?

Alle gesetzlichen Krankenkassen bieten denselben Grundschutz. Unterschiede gibt es bei:

  • Zusatzleistungen (Zahnreinigung, Auslandsschutz, Bonusprogramme)
  • Zusatzbeitrag (variiert leicht zwischen den Kassen)
  • Service und App

Unsere vier empfohlenen gesetzlichen Krankenversicherungen

Wann anmelden?

Vor deinem Ausbildungsbeginn, idealerweise schon bevor du in Deutschland bist. Du brauchst:

  • Ausbildungsvertrag
  • Reisepass
  • Deutsche Adresse (Meldebescheinigung, falls vorhanden)

Girokonto eröffnen

Ohne deutsches Girokonto bekommst du kein Gehalt. Dein Arbeitgeber überweist deine Ausbildungsvergütung auf ein deutsches Konto. Außerdem brauchst du es für Miete, Versicherungen und den gesamten Alltag.

Warum ein deutsches Girokonto?

  • Empfang deiner Ausbildungsvergütung
  • Miete und Kaution per Überweisung oder Lastschrift
  • Krankenversicherungsbeiträge
  • Mobilfunk, Strom, Internet
  • Alltägliche Einkäufe mit Karte

In Deutschland läuft fast alles über Überweisungen und Lastschriften.

Wann eröffnen?

In den ersten Tagen nach deiner Ankunft,  sobald du eine deutsche SIM-Karte und idealerweise eine Meldebescheinigung hast. Wichtig: Vor deinem Ausbildungsbeginn, damit dein Arbeitgeber die IBAN hat und dir dein Gehalt zahlen kann. 

Worauf achten?

Als Auszubildender sind diese Punkte besonders wichtig:

  • Keine oder geringe Kontoführungsgebühren: Viele Banken bieten kostenlose Konten für Auszubildende
  • Schnelle Verfügbarkeit: Idealerweise IBAN innerhalb weniger Tage
  • Gute App für einfaches Banking unterwegs
  • SCHUFA-Meldung: Wichtig für deinen langfristigen Score-Aufbau

→ Unsere Empfehlung für dein erstes Konto in Deutschland

Wichtig: Wähle eine Bank, die an die SCHUFA meldet. So baust du von Anfang an einen guten Score auf, der dir später bei Wohnungssuche und Verträgen hilft.

 Mehr zur SCHUFA und warum sie wichtig ist

Deine Timeline als Auszubildende/r

Vor dem Visum

  • ☐ Ausbildungsvertrag unterschreiben (mit Ausbildungsvergütung über Mindestsatz)
  • ☐ Incoming-Versicherung abschließen
  • ☐ Deutschkenntnisse nachweisen (meist B1)
  • ☐ Bei gesetzlicher Krankenkasse anmelden

Nach Ankunft

  • ☐ Mitgliedsbescheinigung an Arbeitgeber geben
  • ☐ Girokonto eröffnen und IBAN an Arbeitgeber melden

Nach Ausbildungsbeginn

  • ☐ Erstes Gehalt prüfen 
  • ☐ Daueraufträge einrichten (Miete, Strom, Mobilfunk, etc.)

Alle weiteren Schritte findest du in der vollständigen Roadmap.

Perspektive: Nach der Ausbildung in Deutschland bleiben

Wer seine Ausbildung in Deutschland erfolgreich abschließt, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Fachkräfte mit deutscher Berufsausbildung sind gefragt. Nach dem Abschluss kannst du:

  • Direkt in deinem Ausbildungsbetrieb übernommen werden
  • Dich bei anderen Unternehmen bewerben
  • Eine Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche beantragen (bis zu 12 Monate)

Tipp: Zeige während der Ausbildung Engagement und Lernbereitschaft. Viele Betriebe übernehmen ihre Azubis nach erfolgreichem Abschluss. Du erhälst dann einen unbefristeten Arbeitsvertrag. 

Wichtige Begriffe für den Ausbildungsalltag

Begriff Erklärung
Ausbildungsvertrag Vertrag zwischen dir und deinem Ausbildungsbetrieb; regelt Dauer, Vergütung und Pflichten
Berufsschule Schulischer Teil der Ausbildung, meist 1–2 Tage pro Woche oder in Themenblöcken
Ausbildungsvergütung Dein monatliches Gehalt während der Ausbildung
IHK / HWK Industrie- und Handelskammer / Handwerkskammer – zuständig für Prüfungen und Ausbildungsverträge
Probezeit In dieser Zeit können beide Seiten leichter kündigen (in der Regel 3-4 Monate)
Gesellenbrief / Facharbeiterbrief Dein Abschlusszeugnis nach bestandener Prüfung
Sozialversicherung Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, Beiträge werden vom Gehalt abgezogen
Brutto / Netto Brutto = vor Abzügen, Netto = was auf deinem Konto ankommt
SCHUFA Auskunftei für Kreditwürdigkeit, beeinflusst Mietverträge und Kontoeröffnungen

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich als Azubi ein Sperrkonto?

Nein. Dein Ausbildungsvertrag mit Gehaltsangabe dient als Finanzierungsnachweis, vorausgesetzt das Gehalt liegt über dem Mindestsatz.

Wie viel Geld bleibt mir netto?

Bei einer typischen Ausbildungsvergütung von 1.000 Euro brutto bleiben dir ca. 800 Euro netto. Abgezogen werden Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung sowie ggf. Lohnsteuer.

Muss ich Steuern zahlen?

Wenn deine Ausbildungsvergütung unter dem Grundfreibetrag liegt (12.348 Euro pro Jahr / 1.029 Euro pro Monat), zahlst du keine Lohnsteuer. Bei höheren Vergütungen wird Lohnsteuer abgezogen, die du über die Steuererklärung teilweise zurückbekommst.

Kann ich die Krankenkasse frei wählen?

Ja. Alle gesetzlichen Krankenkassen stehen dir offen. Der Grundschutz ist überall gleich, Unterschiede gibt es bei Zusatzleistungen und Service.

Was passiert, wenn ich die Probezeit nicht bestehe?

In der Probezeit (meist 3-4 Monate) kann das Ausbildungsverhältnis von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Dein Aufenthaltstitel ist dann gefährdet, du müsstest einen neuen Ausbildungsplatz finden oder ausreisen.

Kann ich neben der Ausbildung arbeiten?

Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Dein Ausbildungsvertrag hat Vorrang, und das Arbeitszeitgesetz begrenzt deine Gesamtarbeitszeit. Sprich mit deinem Ausbildungsbetrieb, bevor du einen Nebenjob annimmst.

Roadmap per E-Mail

Wenn du deinen Start in Deutschland Schritt für Schritt begleiten lassen möchtest, kannst du unsere Roadmap auch per E-Mail erhalten. Du bekommst in regelmäßigen Abständen Hinweise zu den nächsten typischen To-dos, ergänzende Checklisten und Hinweise zu wichtigen Fristen – abgestimmt auf die Phasen deines Aufenthalts in Deutschland